In halbwegs normalen Wintern ist kein Haus in Lawinengefahr. Bei großem Schneefall aber kann immer wieder etwas passieren. Gewisse Lawinenstriche sind berüchtigt. Hauptsächlich lawinengefährdet sind die Seitentäler, das Kalksteiner, Ahrn- und Ainettal. Noch schlimmer zeigt sich die Lage in Kalkstein. Es vergeht kein Jahr, wo nicht größere und kleinere Lawinen die Zufahrtsstraße an mehreren Stellen verlegen.
Die erschütterndsten Fälle:
1613, 29. März, Karmontag, kamen Christian Kaufmann, Ambros Schmidhofer und der Sohn des Anwalts auf einem Pirschgang in eine Lawine und konnten erst nach langem Suchen gefunden und begraben werden.
1717, 9. Dezember, geriet Peter Steidl mit drei anderen beim Heubring im Kalksteiner Gebiet in eine Lawine und konnte nur mehr tot geborgen werden. Seine drei Begleiter kamen mit dem Schrecken davon. Zum Dank für die Rettung stifteten sie in das Kirchlein Maria Schnee eine Votivtafel. Sie hängt derzeit im dortigen Widum, veranschaulicht das Unglück und bietet eine nette Ansicht der alten Wallfahrtskapelle.
1851, 3. Dezember, vermeldet neuerdings von zwei Lawinenopfern beim Heuziehen in Kalkstein. Es betraf Vater und Sohn zu Greter, Ludwig Senfter sen. und jun., der eine 38, der andere 13 Jahre alt. Das Unglück passierte außerhalb der Lipperalm im Roßtal.
1879, 23. und 25. Februar, griff der weiße Tod erneut in Kalkstein zu und forderte drei Opfer. Da damals die Expositur verwaist war, mussten die Kalksteiner zum Gottesdienst herunter in die Pfarre. An den drei Gebetstagen in der Fasnacht ließ sich das niemand nehmen, trotz bedenklich starken Schneefalls. Am Sonntag verunglückten auf dem Heimweg zwei Buben von Unterschaller, David und Alois Walder, der eine 15, der andere 10 Jahre alt, bei den "Wilden Köfeln" unweit der Schwefelquelle. Obwohl sie bereits am Montag aufgefunden wurden, konnten sie infolge weiterer Lawinengefahr erst am Freitag begraben werden. Das Marterl in der Felsnische des Steinernen Tors erinnert daran.
Am Faschingsdienstag ereilte unterhalb des Wildeggenbachs Karl Gietl, Bauer zu Gietler, dasselbe Los. Er war Vater von acht Kindern und Gemeindeausschussmitglied. Er hatte von Kalkstein heruntergehen wollen zu Egger, sein zwölfjähriges Töchterlein Maria abzuholen. Durch Suchen einer nahezu hundertköpfigen Mannschaft konnte er vorerst nicht gefunden werden. Am 15. Juni sah sein Bruder Josl eine Hand vom Schnee herausragen. Der Tote lag nahe am Rain unter der zweiten Schupfe. Die schattseitige Lawine hatte ihn also über den bereits vom Sonntag vorhandenen Lawinenkegel auf die andere Talseite hinübergeschlagen. Er war im ganzen schon ziemlich verwest und völlig unkenntlich. Deshalb wurde er sofort eingesargt und am nächsten Tag beigesetzt.
1919, 8. Jänner, halb ein Uhr nachts, stürzte eine große Lawine vom Kemplasegg den Füratbach nieder und begrub die zwei Fürathäuser in den Schneemassen. Das eine war unbewohnt. Im anderen, Lenzen, neun Personen. Davon waren fünf tot: die Mutter Monika Schett (50), ihre dort dienende Schwester Theresia Walder von Außermoscher (57), zwei ledige Brüder des Bauern, Bartlmä (66) und Peter Schett (55), sowie der älteste Sohn Josef (21). Dieser war erst vor einem Monat aus dem Krieg heimgekehrt und musste so das Leben lassen. Der Bauer und zwei Söhne konnten sich selbst aus den Trümmern befreien. Die Tochter Maria wurde am Vormittag von Nachbarsleuten geborgen. Ihr erstes Wort soll gewesen sein: "'s andere war leicht, aber i seit gestern nou nicht gess'n!" Da Fürat in seiner Einschicht weitab vom nächsten Nachbarn liegt, wurde das Unglück erst zehn Stunden später bekannt. Zwei Opfer wurden erst nach zwei Tagen gefunden. Daher fand das Begräbnis erst am 11. Jänner statt. Die Leichen wurden im Stadel zu Obermoscher aufgebahrt.
1931, 20. Februar, 9 Uhr vormittags, brach am Grat des Eggebergs im sogenannten Fleck eine große Lawine los ins Tal. Hier bog sie in Richtung des Wassers talaus bis "Sandackersbrugge", nahm sämtliche Mühlen mit und zertrümmerte das Bauernhaus des Josef Mair, Stuner. Von den Hausinsassen wurden acht als Leichen geborgen: der Bauer als Vater von 15 Kindern, (64), die zwei Söhne Dominikus (30) und Johann (14) sowie fünf Töchter, nämlich Maria (29), Notburga (20), Agnes (18), Cäcilia (11) und Rosa (9). Die Mutter allein kam lediglich mit einer Hüftquetschung davon. Die acht Särge wurden in der Maxerkapelle aufgebahrt und am 24. Februar unter großer Trauergemeinde bestattet. Ursache des Unglücks war ungeheurer Schneefall die Tage vorher.

Am gleichen Tag und zur selben Stunde ging auf der anderen Kammseite eine Lawine durch das Roßtal durchaus nach Kalkstein. Kirche und Widum wurden ernsthaft beschädigt. Turm- und Kirchmauer sowie das Gewölbe wiesen zollbreite Sprünge auf. Durch das nordwestliche Chorfenster war der Schnee in das Presbyterium eingedrungen und hatte den Altar umgeworfen.
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Almhütte "Maurer" Thaletalm nach Lawinenabgang am 01.02.1986
Mit auf dem Bild: Josef Steidl, Gasse 87, 9932 Innervillgraten
