Hochwasser.

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Hochwasser
Ein Großteil unserer Bauern lebt unter sehr ungünstigen Produktionsbedingungen. Diese sind hauptsächlich in der physischen Ortslage und in den Gegebenheiten des Geländes zu suchen. Der Kulturgrund ist karg bemessen. In der Übervölkerungsperiode der früheren Zeit war die äußerste Anstrengung nur mit dem Nötigsten zum Existenzminimum gelohnt. Jeder Verlust an Kulturgrund war daher doppelt wirksam.
 
Hochwasser und Muren kennt Villgraten seit eh und je. Uns ist nur das berüchtigte Anno 1882 geläufig. Indes vermeldet bereits die Sage, dass die Auswanderung der Villgrater nach Bladen von einer Wasserflut verursacht worden wäre.
Mehrere Wasserkatastrophen ereigneten sich in der Ersthälfte des 17. Jahrhunderts. 1617 war der Ainetbach ausgebrochen. Er warf seine Geröllmassen in die westseitigen Hofgründe und murte den Widum ein. Das Zinsurbar von 1628 verzeichnet 13 schwerbetroffene Höfe, den Boden-, Mayr-, Kaufmann-, Staud-, Giß-, Prant-, Fronthal-, Pernau-, Walchegg-, Schmid-, Nun-, Achorn und Grafhof. Bestandsgefährdende Flurschäden erlitten:


Ähnlich lauten die vermerke bei den anderen Höfen. Die Bedrohung und Schädigung durch Wasser drückte nicht nur den Ertrag, sondern auch den Wert eines Bauernguts.
1708 im Frühjahr hatte man mit dem Kirchenbau begonnen. Zu allem Überfluss kam Hochwasser. Wiederum brach der Ainetbach nach Westen hin aus. Der Widum wurde ein zweites Mal eingemurt. der Schuttfächer am Auslauf des Ainettals wuchs mehr und mehr. Die Felder wurden von Mal zu Mal unverdrossen gesäubert. Der Abtransport der Steine war zu mühsam. Deswegen benützte man sie zur Errichtung ausgiebiger Zaunmauern. Wer Alt- Villgraten noch in Erinnerung hat, weiß, dass nahezu rund um den Ortskern von der Mündung des Ainetbachs hinauf bis Widemair und hinein bis Schmidhofer Feldmauern liefern. Man nannte sie spotthalber die Ringmauer. Reste davon sind heute noch erhalten. Die Volksmeinung, man habe vor Zeiten vom Steidler am Ortseingang nach Schmidhofer am Ortsende gesehen, ist mit Einschränkung sehr wohl war. Damit wird die andauernde Schüttätigkeit des Seitenbachs dokumentiert. Übrigens soll man ehedem auch von Stuner bis Lifter freie Sicht gehabt haben.

 
Bild: Pranau
"Pranau" (lt. Urkataster) während des Hochwassers von 1965

 
Wieder zeichnet sich die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts durch gehäufte Flutkatastrophen aus. Von 1708 ist berichtet. 1733 veranlasste ein Überschwemmung, dass man am Johannes-Nepomuk-Tag in großer Prozession mit Fahnen. Statuen und Priester betend nach Sillian ging. Zu Maxer wurde damals das erste offene Nepomukstöckl aufgestellt, um die Nachbarschaft unter den Schutz dieser großen Wasserpatrons zu stellen.
Am 15. Juni 1747 kam neues, großes Hochwasser. Das Bittgesuch der Nachbarschaft zu Senfter an das bischöfliche Ordinariat um die Bewilligung zum Bau einer Kapelle bezieht sich ausdrücklich darauf. Zehn Jahre später war die Behörde genötigt, eine weitere Schadensbeschreibung aufzunehmen. Sie betraf 24 Besitzer mit 4000 fl. Schaden. Dafür bekam man damals vier mittelgroße Bauerngüter. Wieder waren, abgesehen von einigen Hangrutschungen, hauptsächlich die Höfe in Tallage in Mitleidenschaft gezogen worden, am meisten die im Mündungsdreieck zu Maxer mit dem Mayr-, Kauf, Gutweng-, Egg-, Senft- und Maurhof. Schattseits hatten der Rusch-, Giß- und Pranthof Schäden zu verzeichnen, sonnseits der Mühl-, Au-, Schmid, Oberrain- und Niederrainhof.
Im Schmid- und Auhof allein hatte "der landtpach sovill mit grundt und poden sambt dem drufstehenden veltnutzen genzlichen wöckhgefiehrt und yberschittet, dass nit mer zuezuspring". Der Schaden des Besitzers zu Auer belief sich auf 900 fl. Zerstört wurde ein Haus zu Gutweng.
1774, 1822 und 1827 sind weitere Hochwasserjahre. Gerade die letzteren wurden bitter verspürt, zumal das Jahrzehnt nach den napoleonischen Kriegen ohnedies durch Missernte und schlechte Wirtschaftslage gebrandmarkt war.
In den anschließenden Jahrzehnten wurden in Sillian und Panzendorf die Brau- und Villgrater Bachregulierung in Angriff genommen. Auch hier wurden am Talbach Uferschutzbauten ins Werk gesetzt. Sie reichten ab nicht aus, dem Ansturm der Fluten 1882 standzuhalten. Die Katastrophe brach das erste mal im September herein. Seit dem 6. war Regenwetter, am 15. fiel außergewöhnlicher Gussregen, am 16. war das Unheilperfekt. Nach den gröbsten Aufräumungs- und Wiederinstandsetzungsarbeiten in den folgenden Herbstwochen setzte Ende Oktober Schneefall ein. Dieser ging bald in Regn über. Es regnete bis auf alle Höhen. Die zweite Flut kam. Insgesamt wurden ein Haus gänzlich zerstört, drei Häuser dem Einsturz nahegebracht und zwölf eingeschottert. Die Schäden an anderen Bauobjekten betrafen besonders Mühlen, Sägen und Brücken. Überaus hoch waren die Flurschäden. Die Gesamtsumme für die Gemeinde belief sich auf 161.836 fl. und war im Gerichtsbezirk Sillian nach Innichen die höchste.

Der Villgrater sagt, man habe nach 1882 noch durch zehn Jahre Bach gewehrt. Er hat recht. Besonders 1885, 1889 und 1890 sind nennenswert.
Es wurden zwar öffentliche Mittel zur Schutzbauten bereitgestellt, reichten aber nicht aus. Immerhin wurden damals die Ufer des Grafer- und Roßtalbachs verbaut. An den übrigen Gewässern wurden Holzgebrente eingebaut. Sie hielten bis 1965.
Das Hochwasser vom 3. September 1965 und 17. August 1966 sind noch in so guter Erinnerung, dass sie übergangen werden können.

 
Bild: Hochwasserkatastrophe 1965

Hochwasserkatastrophe 1965
 
Oben links: Zu "Mühlet" fließt der Talbach auch durch´s Haus. Oben mitte: Geschiebe, die Mühlen am Eingang des Arntales und Teile davon bei der "Stuner Waschhütte". Oben rechts: Zu "Unter Schmieder" sicht sich der Ainathbach einen Weg über die Landesstraße talauswärts. Unten links: Geschiebe und "Sicherungsmaßnahmen" im Bereich "Zacheler Brücke - Högger Säge", heute bei HNr. 74g und Feuerwehrhaus-Bauhof. Unten rechts: "Streichwände" zum Schutz der Neubauten HNr. 115a und 115b im Bereich westlich der Galler Säge.
 
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